Akupunktur

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) beschreibt seit einigen tausend Jahren den Menschen als Glied eines universellen Wirkgefüges.

Krankheit und gesundheitliche Störungen werden so verstanden, daß wir sagen könnten, der Mensch ist aus den Fugen geraten.

Oder: Der Lauf seines Lebens ist so gestört, daß der Mensch leidet. Das Maß des Lebendigen ist eine wesentliche Vorstellung der „Naturphilosophie“, auf deren Ideenwelt die TCM aufbaut. Hierbei haben wir es mit einem Gedankengut zu tun, das aus der Zeit stammt, die wir mit Schamanismus in Zusammenhang bringen und der Zeit vor den ersten Staatsbildungen in China, mit Animismus, Geisterglauben und den urtümlichsten Vorstellungen vom Menschen und der Welt, in der er lebt.

Das ist die Welt der Medizinmänner und –frauen, die der frühen kosmologischen Konzepte, die sowohl konkrete Naturphänomene wie Wind, Erde und Feuer, Kälte, Schleim und Blut, wie auch abstrahierte Allgemeinbegriffe wie Wasser, Metall, „zu wenig“ und „zu viel“, Harmonie oder Starre, Verwandlung etc. bereits entwickelten.

Aber auch Freude, Traurigkeit, Angst, Zorn, Kummer, wie auch erste Begriffe von Organen und deren Zusammenwirken zeichneten sich schon früher als mitwirkende Faktoren ab, die das Wohlbefinden der Menschen betreffen.

Auch das Fliessen gehört, wie schon eingangs gesagt, zum Keim der Begrifflichkeit solcher Konzepte und wenn dabei von „energetisch“ die Rede ist, meint man, daß auch unsere Natur ein sich fortwährend ausgleichendes Auf- und Abbauen von Differenzen, von Spannungen und Potentialgefällen zeigt.

So sucht der nach den Methoden der TCM urteilende Mediziner nach allem, was den natürlichen Lauf der Ströme in uns und um uns nachteilig verändert.

Das Akupunktieren, d.h. das Stechen bestimmter Körperareale, ist nur eine Methode, die gestörten Strömungsverhältnisse in uns zu beeinflussen.

Wir kennen auch das Moxen oder die Moxibustion. Hiermit ist gemeint:

das Auftragen und Abbrennen von hyperthermischem Material,
die Wirkung, die durch die Erwärmung des Materials erzeugt wird.
Dazu wird das Kraut des Beifusses (Artemisia vulgaris) verwendet, das zu kleinen Kegeln gebildet auf das Hautarreal direkt oder auf eine dort platzierte Ingwerscheibe gehäuft und dort abgebrannt wird, was etwa dem Glimmen einer Zigarre entspricht. Auch Moxazigarren werden benutzt, deren Glut in entsprechendem Abstand zum gewählten Gebiet gehalten oder bewegt wird.

Aber auch verschiedene andere Manipulationen sind gebräuchlich. So vermittels Massagen, bloßem Druck oder Strecken der Meridiane, durch elektrische Reizung oder Farb- bzw. Laserstrahlung u.a.m.

Die Diagnoseverfahren der chinesischen Medizin kennen neben der allgemeinen Anamnese und Inspektion, spezielle Techniken wie die Zungendiagnose und die sog. Pulsdiagnose. Wie auch in der westlich-abendländischen traditionellen Medizin, werden Temperaturempfinden, Schwitzen, Appetit, Durst, Geschmack, Schmerzqualität, Urinbefund, Antlitzdiagnostik, Augen- bzw. Irisdiagnose, Hand- und Hautdiagnostik, Palpation bindegewebiger Veränderungen und reflektorischer Muskeltonus- bzw. Sensibilitätsstörungen derselben mit einbezogen, in die sehr umfassende Diagnostik, insbesondere bei chronischen Erkrankungen.

Die Frage welche Krankheiten mit Akupunktur oder mit TCM verhindert, gelindert oder geheilt werden können, wäre nur durch eine sehr lange Liste zu beantworten. Aber auch hier gilt: Der Arzt betreibt die Kur, die Heilung geschieht in der Natur, und das Wesen des Arztes wie auch sein Wissen, sein Können und sein Handeln sollten dieser unserer Natur mit Respekt und Sorgfalt behilflich sein, sich wieder zu heilen.