Spagyrik

Die Spagyrik ist eine besondere Therapierichtung mit einem eigenen jahrtausendealten philosophischen Hintergrund (Alchymie) und einer eigenen Sicht des Menschen. Im Zentrum dieser Philosophie stehen


  • die Physis, das Leben, die Seele, der Geist und das ICH des Menschen,
  • die 4 Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft) und die Quintessenz,
  • die 3 philosophischen Prinzipien (symbolisiert durch Sal, Merkur, Sulfur),
  • die 7 Kraft-Ausrichtungen, die ebenso in symbolischer Weise mit den Namen der 7 klassischen Himmelskörper bezeichnet werden, die separat stehende zusätzlichen Erd-Kraft und
  • die 5 Bereiche, von denen die krankheitsauslösenden Einflüsse stammen (physikalische -, giftartige -, genetische -, psychosomatische - und schicksalhafte Einflüsse).



Der Therapeut trennt in seiner Sicht des Patienten die verschiedenen Bereiche für eine ganzheitliche Diagnose auf und er strebt das Verbinden in einer ganzheitlichen Therapie an.

Der Begriffe Spagyrik stammen vom Griechischen (spaein und ageirein) und bedeutet soviel wie trennen und verbinden. Es handelt sich um ein Prinzip, das man in den verschiedenen Bereichen der Spagyrik (Diagnose, Therapie, Arzneimittelherstellung) immer wieder finden kann.

Spagyrika sind Arzneimittel, die für die Spagyrik entwickelt wurden und werden. Sie müssen über 3 Merkmale (3 philosophische Prinzipien) verfügen. Sie besitzen


  • eine stoffliche Basis (Sal),
  • eine Heilkraft (Merkur) und
  • eine indikationsspezifische Ausrichtung (Sulfur) der Heilkraft.



Weiterhin müssen sie therapeutisch wirksam sein. Eine pharmakologische Wirkung allein genügt nicht.

Bei der Herstellung der spagyrischen Präparate werden aus Pflanzen, Metallen und Mineralien oder Mischungen dieser Stoffgruppen mit bestimmten Verfahren Heilkräfte entwickelt, die in qualitativer Hinsicht dem Ausgangsstoff entsprechen, die aber in ihrer Stärke erhöht sind.

Einige Verfahren seien im Folgenden beispielhaft genannt:

  • Auszüge bei verschiedenen Temperaturen (Mazerationen und Digestionen),
  • Vergärungen mittels Hefen,
  • Veraschungen (Calcinationen),
  • einfache Destillationen,
  • Mehrfachdestillationen über dem selben Stoff (Kohobationen),
  • Rückflussdestillationen (Circulationen und Rotationen),
  • Konzentrationen (Saturationen),
  • Kombinationen (Konjugationen).



Durch die spagyrischen Arzneimittel werden dem Organismus fehlende Kräfte zur Verfügung gestellt, mit denen er seine Selbstheilungskräfte regenerieren kann. Die Spagyrik geht davon aus, dass Erkrankungen dann entstehen bzw. chronisch werden, wenn die Selbstheilungskräfte die krankheitsfördernden Einflüsse nicht mehr bewältigen können.

Eine wichtige Säule der Spagyrik sind ihre Arzneimitteln. Es werden aber innerhalb dieser Therapierichtung auch weitere naturheilkundliche Behandlungsmethoden, beispielsweise diätetische, physikalische und psychologische Methoden angewandt.

Die Spagyrik wird in Deutschland und in der Schweiz von vielen Heilpraktikern angeboten. In diesen Ländern besteht eine lange Tradition, die aus heutiger Sicht in weiten Bereichen auf Theophrast von Hohenheim – genannt Paracelsus – zurückgeht. Paracelsus war der bekannteste Spagyriker des ausgehenden Mittelalters. Er wurde im Jahr 1493 in Maria Einsiedeln (Schweiz) geboren und er ist im Jahr 1541 in Salzburg gestorben.